Schule vermittelt Wissen, aber kaum Orientierung. Das ist kein Vorwurf an Lehrkräfte, sondern eine strukturelle Realität. Lehrpläne sind darauf ausgelegt, Inhalte zu vermitteln, Leistungen zu bewerten und Abschlüsse zu ermöglichen. Was dabei oft zu kurz kommt, ist die Frage nach der eigenen Persönlichkeit. Wer bin ich? Was kann ich gut? Was interessiert mich wirklich – jenseits von Noten und Erwartungen?
Viele Jugendliche verlassen die Schule mit dem Gefühl, bewertet worden zu sein, aber sich selbst kaum zu kennen. Sie wissen, in welchen Fächern sie gut oder schlecht waren, doch das sagt wenig darüber aus, welche Tätigkeiten ihnen liegen oder in welchem Umfeld sie aufblühen würden. Berufsorientierung nach der Schule scheitert deshalb häufig daran, dass junge Menschen Entscheidungen treffen sollen, ohne sich selbst ausreichend verstanden zu haben.
Hinzu kommt, dass Schule selten ein realistisches Bild der Arbeitswelt vermittelt. Berufe werden abstrakt beschrieben, Studiengänge klingen vielversprechend, Ausbildungswege werden oft unterschätzt oder falsch eingeschätzt. Die Realität – Arbeitsalltag, Anforderungen, Entwicklungsmöglichkeiten – bleibt für viele Jugendliche unsichtbar. Das führt dazu, dass Entscheidungen auf Annahmen beruhen, nicht auf echtem Verständnis.